Inside Iran

Ich bin zu Hause! Seit einer Woche jetzt, puh! Ich muss weiterschreiben, bevor die Kleinigkeiten anfangen zu verblassen, um es für mich auch noch einmal zu durchleben und um hier langsam wieder in den Alltag einzusteigen. 🙂

Yazd, einer meiner Lieblingsorte auf der Reise, wegen den Menschen die ich hier kennenlernen durfte, wegen der Stadt, wegen dem Silk Road Hotel…

Yazd ist eine Wüstenstadt die im 3. Jahrtausend v. Chr. gegründet wurde (meine Heimat Neuss ist mit 16 v. Chr. eine der ältesten Städte Deutschlands) die einzigartige Architektur der Altstadt hat mich in Ihren Bann gezogen. Diese Ruhe in den Gassen und das angenehme natürliche Licht + Farben haben es mir angetan. Direkt nachdem ich angekommen bin, habe ich mich entschieden hier 3 Tage zu bleiben, um auch mal einen Tag nichts zu machen.

Ich hatte ein schönes kleines Zimmer im Silk Road und nach der Dusche habe ich es mir auf einer der Sitz – Liege – Relaxflächen bequem gemacht und lecker gegessen. Das Hotel ist ein traditionelles Guesthouse wie sie hier typisch sind. Die Zimmer liegen um einen schönen Innenhof, wo die Gäste verweilen, essen und viel Tee trinken.

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Dabei habe ich einen Niederländer kennengelernt und wir hatten einen netten Abend. Er war auch alleine unterwegs, allerdings per Bus für 4 Wochen Iran. Relativ früh ins Bett undund für den kommenden Abend verabredet um in der Stadt was zu essen + Wasserpfeife rauchen.

Am nächsten Tag habe ich dann Yazd erkundet. Direkt um die Ecke vom Hotel liegt die große Moschee. Neben den Gebetszeiten kann man Sie besuchen und Sie ist auch in jedem Fall einen Besuch wert. Sie liegt direkt in der Altstadt, daher kann man von hier weiterlaufen.

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Die Gassen von Yazd haben mir besonders gut gefallen. Kleine Gänge und viele verwinkelte Wege. Irgendwie kommt man wieder raus 😉 Wer gerne Star Wars schaut „Tatooine“ ist das Stichwort. Das ganze ist wirklich bewohnt und nicht durch Touristenläden oder Hotels in Beschlag genommen. Für mich ein authentischer Ort.

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Das besondere in Yazd ist die Architektur. Der Lehmbau ist hier in zu seiner Perfektion gereift. Neben den vielen Vorteilen des Materials wie Isolation und Feuchtigkeitsregulation ist auch die Bauweise selbst genial. Seit Jahrhunderten wird eine natürliche Weise der Klimatisierung genutzt. Windtürme oder persisch Bādgir werden genutzt um den Wind einzufangen.

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Sie leiten die Luft in die Keller der Häuser. Dort sind untern den Häusern Schächte gegraben die bis an das Grundwasser/feuchten Boden heranreichen.

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Die durch abgekühlte Luft wird in das Haus zurückgeführt und sorgt für ein angenehmes Klima. Hier der Blick durch den vertikalen Schacht in die Küche.

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Selbst wenn kein Wind geht, hilft der Kamineffekt die Häuser besonders nachts abzukühlen. Wenn die Luft im Haus wärmer ist als draußen, steigt Sie im Windturm/Kamin auf und saugt die kühle Luft ins Haus. Besonders nachts fallen die Temperaturen auch im Sommer stark zu den Tagtemperaturen ab und geben somit die Gelegenheit die Häuser abzukühlen. So war’s in meinem Zimmerchen immer angenehm 🙂

In der Altstadt findet sich auch ein Künstler Atelier, für einen kleinen Obolus kann man die Dachterrasse betreten und dort für einen Tee verweilen und die selbstgemalten Bilder zu bestaunen. Für mich war es ein toller Ort, weil er ganz viel Ruhe ausstrahlt. Ich war alleine dort, wunderbarer Sonnenschein und ein angenehmer Wind. Dazu kam, dass der Künstler sich die Zeit genommen hat sich zu mir zu setzen und ein wenig auf seiner Tanbur(die persische Version einer Gitarre) zu spielen. Beim Tee mit Blick über die Stadt ein perfekter Augenblick!

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Ich streife weiter durch die Stadt und durch den Basar. Es ist der erste Basar den ich auf meiner Iran Reise besuche und es wird nicht der letzte sein 😉

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Dabei treffe ich einen Schweizer den ich beim Frühstück schon gesehen hatte. Ich spreche ihn an und schon steht die Verabredung abends zur Wasserpfeifenrunde dazuzustoßen. Ich laufe weiter durch den Basar und betrete einen Bereich der nicht mehr genutzt wird bzw. gerade wieder begonnen wird ihn zu renovieren. Hier finde ich ein paar alte Geschäfte die einfach zurückgelassen wurden und die Szenen fühlen sich fast gestellt an. Auf dem Tank vom Motorrad steht YAMAHA 😉

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Ich laufe noch eine kleine Runde und treffe auf die lokale Nachrichtenbörse…

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Und auf ein paar zerstörte Häuser unweit der großen Moschee. Das Interessante daran ist, wenn man sich die Bilder genau anschaut, sieht man im Schutt noch wie prächtig die Häuser einmal im inneren ausgeführt waren!

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Per Taxi geht es zum Feuertempel. Ich war schon Mittags dahin gelaufen, um dann festzustellen, dass er während der Gebetszeiten geschlossen hat. Das trifft auf alle Museen in Iran zu und man sollte es sich merken 😉

Dieser Feuertempel ist im Lonely Planet als „Top Sight“ gekennzeichnet. Alle Reisenden die ich getroffen haben sind einer meiner, es ist kein „Top Sight“. Ich war davon ausgegangen, dass es ein authentisches Zeugnis des Zoroastrismus ist. Was ich vor Ort aber leider erkennen muss, es ist ein Feuertempel der in den 1950er Jahren neu aufgebaut wurde. Das gebäude selbst ist ganz nett anzuschauen, nach dein Eingang steht man in einem größeren Raum wo hinter einer Scheibe ein Feuer brennt. Welches angeblich schon seit 2000 Jahren brennen soll…

Der Raum mit dem Feuer ist der heiligste Ort in den alten Feuertempeln. Es kommt hier aber bei mir kein wirkliches Gefühl zum Ort auf. Vielleicht einfach weil ich weiß, dass es ein Nachbau ist :-/
Vielleicht schaue ich auch deswegen so verknittert beim Bildermachen 🙂

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Zurück im Hotel gibt es erstmal ein leckeres Abendessen und nach einiger Zeit gesellen sich auch der Holländer und der Schweizer dazu. Wir überlegen, dass wir noch gar kein Teehaus mit Wasserpfeifen in der Altstadt bzw. im Umkreis des Hotels gesehen haben. Zwei Iranerinnen sitzen neben uns, viele Iraner kommen zum Essen(es ist einfach lecker). Wir fragen Sie, ob Sie eine Bar kennen, wo die Locals Wasserpfeife rauchen. Wir bekommen eine Adresse, diese sei aber etwas außerhalb und wir müssten mit dem Taxi eine Weile fahren. Taxi fahren ist im Iran nicht teuer, wir teilen durch 3 und die Aussicht auf einen Laden wo nur Locals normalerweise verkehren lassen uns nicht lange überlegen.

Das nächste Taxi wird geschnappt, die auf persisch notierte Adresse unter die Nase gehalten. Verwirrung! Lustig ist im Iran, dass viele Taxifahrer kein oder kaum Englisch können, Sie auch die Attraktionen nicht kennen, gerade nicht auf Englisch 😉 Per Funk klärt Ali, wo die Adresse denn sein könnte und wir fahren los. So sieht man auch mal was von der Stadt 🙂 Wir sind lange unterwegs und vermuten schon in den Vororten von Teheran zu sein, als Ali anhält und einen anderen Taxifahrer fragt, wo sich der Laden denn nun wirklich befindet. Per Funk hat er den Stadtteil erfahren, die genaue Zielnavigation übernimmt der Kollege. Funktioniert wunderbar! Wir kommen an und feiern Ali für seine gut 45 minütige Fahrt. Der Einladung mit uns eine Wasserpfeife zu rauchen kommt Ali leider nicht nach 🙁

Im Restaurant(es ist kein Teehaus), stellt sich heraus, dass es eine Woche nach dem Ashurafest keine Wasserpfeifen gibt! TOP! Die Jungs essen etwas, da Sie im Hotel nichts gegessen haben und wir haben trotzdem Spaß. Dann kommen die beiden Iranerinnen ins Restaurant und können gar nicht glauben, dass wir Ihrer Empfehlung wirklich gefolgt sind und noch weniger, dass wir es auch wirklich gefunden haben. Einer der Jungs macht Ihnen eine perfekte Szene, es würde ja gar keine Wasserpfeifen hier geben und wir wären extra dafür hier hin gefahren. Die Mädels entschuldigen sich mehrfach und ziehen dann etwas betröppelt von dannen.

Wir überlegen, ob es vielleicht etwas forsch wie wir es rübergebracht haben und Sie die Ironie dahinter vielleicht nicht ganz verstehen, als die Mädels wieder vor uns stehen. Sie haben mit Ihrem Bruder telefoniert, er sei mit ein paar Freunden zu Hause und es wäre eine kleine Party im Gange. Eine Wasserpfeife wäre auch da, Sie würden Sie jetzt vorbereiten und wir sollen alle vorbeikommen. Also in zwei Taxis gesprungen, wieder durch die Stadt gefahren und an einem schönen Haus angekommen.

Die Eltern waren verreist und so wurde die „sturmfreie“ Bude ausgenutzt. Die Wasserpfeife war vorbereitet, dazu gab es einen wunderbaren selbstgemachten Vodka + selbstgemachtes Bier. Knabberkram ohne Ende und 5 weitere Leute die wir kennenlernen durften und mit denen wir viel erzählt haben. Es wurde gesungen, getanzt, gegen 24 Uhr gab ein noch eine mitternachts Linsensuppe und gegen 1:30 Uhr haben wir gut angetrunken die Kurve gekratzt. Gott sei Dank war der Rückweg einfach, Taxifahrer kannte das Hotel!

Ein grandioser Abend der die Offenheit und Gastfreundschaft der Iraner wunderbar widerspiegelt! Einladungen gibt es oft im Iran, meistens zum Tee. Nehmt Sie an!!! Manchmal geht es nicht, weil man noch eine Strecke zurücklegen „muss“ und doch eine Art Zeitdruck aufkommt. Schade um jede Gelegenheit!

Der nächste Tag war zum Ausruhen gedacht. Nicht viel machen, nicht viel Neues sehen, einfach mal verarbeiten und was lesen usw. Ich habe also lange geschlafen und bin nochmal auf meine Dachterrasse um etwas in der Sonne zu liegen.

Nachmittags bin ich mit zwei Deutschen, die mit ihrem Camper auf dem Parkplatz vom Hotel standen, zu den zoroastrischen Türmen des Schweigens die außerhalb von Yazd liegen gefahren. Es ist ein alter Bestattungsort, wo die Toten verbrannt wurden. Hier ein authentischer Ort der nicht nachgebaut ist 😉 Dazu das schöne Licht der untergehenden Sonne.

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Alte Zeichnungen und Schriften!?

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Zurück iin Yazd war die Sonne schon untergegangen und ich habe noch eine Runde durch die Altstadt gedreht. Soviel zur Ruhe und ich mache nichts an dem Tag 😉

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Im Hotel war nun auch ein zweiter Biker aus Argentinien angekommen. Ich habe Ihn natürlich direkt angesprochen, er war mit zwei aus Bulgarien im Gespräch und mein holländischer Freund hatte noch zwei Holländerinnen im Schlepp. Spontan entschieden wir mit allen zusammen Essen zu gehen. Wieder ein super Abend mit tollen Gesprächen und Erzählungen. Es ist wunderbar zu hören, dass andere Reisende die gleichen Erfahrungen wie ich machten. Egal ob Frau oder Mann, alle berichteten von der überwältigenden Freundlichkeit der Menschen!

Am nächsten Morgen dann der Abschied von Yazd in Richtung Persepolis/Shiraz. Es viel mir erstmalig etwas schwer mich loszureißen, weil ich mich so wohl gefühlt habe. Nach ein paar Minuten auf dem Motorrad und dem gewohnten Brabbeln des Motors gibt sich der Wehmut und die Freude auf das Neue kehrt wieder zurück 😉

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Ich versuche jetzt „wirklich“ zügig die Beiträge weiterzuschreiben. Für heute ist es genug und wie es in Shiraz weitergeht, erfahrt ihr in den nächsten Tagen. 🙂

1 Comment

  1. Hallo Tobias,
    toll Dein Bericht aus Iran und auch super Fotos. Wir hoffen ja das wir uns űber Sylvester mal treffen, erzählen, erzählen u. Fotos schauen es interessiert uns, Klasse.
    Nun hoffen wir Du hast dich wieder eingelebt zu Hause in deinen vier Wänden.
    Wir wűnschen Dir einen schönen 3.Advent, Grűße auch Wolfgang und Marianne
    bis bald Gerhard und Elfi

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