Reisetempo -> 80km/h

Ich bin abends dann wirklich nochmal nach St. Petersburg reingefahren und bin nochmal durch die Stadt gelaufen. Wirklich schön bei dem Licht in der Dämmerung und den ganzen Lichtern an den Häusern.

Nachts scheint dann die Stunde der Biker zu schlagen. Die Hauptstraße wird rauf und runtergefahren. Wheelies und andere Kunststücke gezeigt. Darunter ein paar Jugendliche mit ihren Rollern die aber etwas „verloren“ wirken 😉 Es gibt augenscheinlich keine Vorschriften was den Lärm einer Auspuffanlage angeht. Denn hier herrschen Formel1 Bedingungen. Zwischendurch kehren die Jungs dann in die Bars ein und erfrischen sich, bis es zur nächsten Runde durch die Stadt geht.

St. Petersburg ist eine sehr interessante Stadt. Gerade die Architektur und die Größe der Stadt sind beeindruckend. Mein Host Artem musste leider jeden Tag arbeiten, so dass wir nur abends – nachts etwas Zeit miteinander verbringen konnten. Ich bin sehr dankbar für die Gespräche mit ihm. Denn für die meisten Menschen hat sich nicht viel geändert. Zwar ist das Chaos von der Jelzin-Zeit verschwunden, aber die Lebensbedingungen haben sich nicht radikal geändert. Natürlich sind die Supermärkte voll mit Produkten jeder Art(Wer es sich leisten kann) und natürlich gibt es neue Wohnungen und auch neue Häuser. Doch dies betrifft nur einen kleinen Teil der Bevölkerung. Gerade den jungen Leuten ist vollkommen Bewusst, dass der Reichtum Russlands(Rohstoffe) unter den Freunden Puttins aufgeteilt wird. Es wird eine sehr lange Zeit dauern bis dieses Geld auch bei dem Großteil der Russen ankommt. Investitionen in die Infrastruktur und die Wohnbedingungen werden nur vorgenommen wenn der öffentliche Druck zu groß wird, oder sich die Investition in irgendeiner Art lohnt(Transport von Rohstoffen z.B.). St. Petersburg ist noch eine Stadt (Wie Moskau), wo es Firmen und Fabriken gibt und somit auch Jobs und ein paar Zukunftsaussichten. Auf dem Land sieht es oft anders aus. Denn hier ändert sich so gut wie gar nichts. Der Alkohol ist definitiv ein großes Problem. Ich kann gar nicht sagen wieviele betrunkene Menschen ich am helligten Tag gesehen habe. Um so erstaunlicher ist es für mich, dass ich die Menschen auf dem Land als freundlicher und offener erlebt habe. Sie haben mir zugewunken und wenn ich mal stehengeblieben bin um mich zu orientieren haben mich auch manche angesprochen. Ich habe hier nicht die Kamera rausgeholt und Bilder gemacht. Ich empfand es als unpassend. Die Menschen sind ja nicht im Zoo und eine Kamera rauszuholen die so viel wert ist wie 3 Monatsgehälter passt für mich einfach nicht. Nicht weil ich Angst hätte bestohlen zu werden, sondern weil ich den Menschen mit Respekt gegenübertreten möchte und versuche diesen auch zu zeigen.

Tatsächlich hat man in St. Petersburg versucht meine Kamera bzw. mein Objektiv zu stehlen (Netter Versuch Jungs!) und ein Betrunkener hat mich ca. 30 Minuten belästigt als ich auf Artem gewartet habe. Aber ich würde immer wieder in dieses Land fahren und insbesondere aufs Land, wovon ich ja jetzt nur einen ganz kleinen Teil gesehen habe. Ich habe mich nie unsicher gefühlt und würde gerne mehr über das Land und die Menschen erfahren.Da muss ich wohl nochmal hin 😉

Soviel als kleines Résumé zu Russland. Es ging also wieder raus aus St. Petersburg Richtung finnische Grenze. Da ich nun so viele Städte in recht kurzer Zeit gesehen hatte, habe ich von einem Besuch Helsinki’s abgesehen und mich direkt Richtung Norden begeben. Grenzübergang Lappeenranta…

Na das sieht ja schon mal ganz toll aus 😉 Erstmal viele Freunde machen und mit dem Motorrad an der Schlange vorbei nach vorne fahren…

Ah gleich viel besser 😀

Es ging dann LANGSAM vorwärts. Fing nochmal kurz an zu regnen und irgendwann bin ich dann beim Zoll angekommen und habe meine Papiere abgegeben. Ich kannte das ganze ja schon aus Kaliningrad. Jetzt war ich genau an den richtigen Zöllner geraten. Wie konnte es auch anders sein… Er sprach kein Wort Englisch und somit hatten wir ein kleines Problem. Er erklärte mir, dass ich zwei Zollpapiere haben müsste. Ich hatte aber nur eine DINA4 Seite, so wie in Kaliningrad auch. Gut das hat er irgendwann eingesehen. Das Ausreisedokument war nur in russisch vorhanden. Da ich die Papiere aber nun schon kannte und ich wusste was ich ankreuzen musste, habe ich es schnell ausgefüllt. Es ist quasi eine Kopie des Einreisedokuments, was ich daneben halten konnte, nur das Ausreise angekreuzt wird. Alles andere bleibt gleich. Das hat ihn schwer beeindruckt, denn wie kann es sein, dass jemand kein Wort russisch spricht aber wohl russisch lesen kann!? Nun gut jetzt ging es los. Der Gute wusste wohl nicht wie er mit einem Motorrad umgehen soll und hat immer wieder was von Yamaha und Motorcycle genuschelt. Ich habe ihn weiter angelächelt und nur „YES“ gesagt. Nach ca. 30 Minuten des nuschelns und der Rumklickerei im Computer(Er war sicher bei Facebook oder der russichen Variante Konetkje) hat er dann seine Stempel rausgeholt und alles wild abgestempelt und mir in die Hand gedrückt. Es ist definitiv so, dass Warten hier Teil des Prozesses ist. Er soll den Wartenden Demut abverlangen und zeigen wer hier die Stärkere Position hat. Aber ich habe Zeit Jungs 😉

Nun die Passkontrolle ging schnell und ich fuhr Richtung finnischer Grenze in der Hoffung, dass es vielleicht einen Schalter für EU Bürger gibt. Natürlich gab es keinen Schalter für EU Bürger. Also wieder mit den gleichen Leute in die Schlange und warten. Irgendwann war auch das geschafft und hier ging es deutlich netter zu als auf russicher Seite;)

Also bin ich meine ersten Meter durch Finnland gerollt und meine Navi hat mich direkt mal 30 km über eine Piste geschickt… Ist halt der kürzere Weg und hat sogar Spaß gemacht.

Ich hatte einfach Lust zu fahren und bin immer weiter Richtung Norden gerollt. Dann habe ich mein Navi gefragt wo ein Campingplatz ist und bin dann hier gelandet. Egal wie stressig ein Tag war und wie weh einem der Rücken oder der Hintern tut. Sowas entschädigt doch für alles oder?

Ich habe erstmal geduscht und mit dann was gekocht. Habe den Sonnenuntergang genossen und bin schlafen gegangen. Der Platz selber war schön aber keine Sprach etwas Englisch und am Abend meiner Ankunft waren schon einige Betrunkene im Cafe des Platzes. Ich habe davon weiter nichts mitbekommen, da in meiner Ecke absolute Ruhe war. Trotzdem wollte ich am nächsten Morgen weiter und bin wieder Richtung Norden gefahren…

Bei der Stadt Oulu die wieder an der Ostsee liegt habe ich dann angefangen mir einen Platz zu suchen. Der Campingplatz in Oulu war nicht mehr existent, so bin ich nochmal 30 km weiter nördlich auf einem unglaublich schönen Platz angekommen. Ich habe mich direkt nach dem Aufbau des Zeltes entschieden einen weiteren Tag hier zu bleiben und nun sitze ich hier und entspanne einfach bei perfektem Wetter.

Heute Mittag war ich im lokalem Dönerladen und habe einen Iraker kennengelernt der beim ersten Golfkrieg geflüchtet ist und über 10 Jahre land in Nürnberg gelebt hat. Jetzt ist er hier…

Morgen geht es dann weiter nach Lappland. Dieser riesige Landstrich wo niemand ist. Ich bin voller Vorfreunde und Spannung auf die Weite und die Natur die mich erwartet. Hoffentlich sehe ich auch ein paar Elche 🙂

Zu meinem jetzigen Aufenthaltsort sei folgendes gesagt. Ich habe meine eigene kleine Insel(per kleiner Brücke zu erreichen) wo mein Zelt steht. Eine Bank zwischen zwei Bäumen mit perfektem Blick über den See(Außerdem ein perfektes Mittel um meine frisch gewaschene Wäsche zu trocknen). Supermarkt ist zu Fuss zu erreichen und es ist absolute Ruhe…

Die Bilder werden euch zeigen was ich meine 😉

Bis bald…

1 Comment

  1. Hey Tobias, das sind ja traumhafte Gegenden. Ich bin voll neidisch 🙂 …ich glaube, dass ich auch mal ne Moped-Tour mit Dir machen muss.
    Viel Spaß in Finnland und achte auf die vielen Mücken.

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